Tuberkulose

Abk. Tb, Tbc, Tbk, in der Regel zyklisch-chronisch verlaufende meldepflichtige Infektionskrankheit, hervorgerufen durch das Tuberkelbakterium (Mycobacterium tuberculosis). Infektion und Ausbreitung: Die Übertragung der T. erfolgt meist durch Tröpfcheninfektion, die Ausbreitung je nach Organstruktur vom Erstherd aus durch schrittweises Vordringen innerhalb des gleichen Gewebes, durch Einbruch in Organkanäle (z.B. in den Bronchialbaum), durch Einbruch in die Lymphbahn oder durch Verschleppung mit dem Blut. Aus Kavernen in der Lunge kann tuberkulöses Material nicht nur in die Bronchien, sondern auch in den Brustfellraum (tuberkulöse Rippenfellentzündung) gelangen. Die blutseitige (hämatogene) Verschleppung streut meist bes. weit, die lymphseitige (lymphatogene) Ausbreitung wird unter Lymphknotenbeteiligung in den Lymphknotenfiltern aufgehalten (Lymphknotentuberkulose). Lungentuberkulose: Häufigster Sitz der Erkrankung ist die Lunge. Die Lungentuberkulose verläuft in der Regel chronisch. Erstes Stadium (Primär-T.): 5-6 Wochen nach dem ersten Kontakt entsteht eine Überempfindlichkeit gegen die Bakteriengifte, die Tuberkulinprobe ist positiv. In der Lunge kommt es meist im Oberlappen zu einer kleinen Einschmelzung oder einer tuberkulösen Verkäsung (Primärherd). Von dort gelangen die Tuberkelbakterien mit der Lungenlymphe in die zugehörigen Hiluslymphknoten an der Lungenpforte, die ebenfalls käsig zerfallen. Die Kombination von Parenchym- und Lymphknotenherd ist der typ. Ausdruck der tuberkulösen Primärinfektion (tuberkulöser Primärkomplex). Es kommt u.a. zu uncharakterist. Unwohlsein mit leichtem Husten, Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Kopf- und Brustschmerzen sowie geringem Temperaturanstieg. Das zweite Stadium der Lungen-T., das u. U. lange Zeit nach der Primärinfektion auftritt, wird durch die Aussaat von Tuberkelbakterien geprägt. Die Bakterien gelangen bei Gewebseinschmelzungen direkt oder auf dem Umweg über die Lymphe in die Blutbahn. Sie können sich wieder in der Lunge ansiedeln, mit dem Blut aber auch in den Körper ausgeschwemmt werden. Dort entstehen durch die Gewebsreaktion die hirsegroßen, später auch im Röntgenbild sichtbaren Tuberkel (Miliar-T.). Die Krankheitserscheinungen sind hohes Fieber, Husten, Atemnot, Kopfschmerz, Erbrechen, Blausucht und Atembeschwerden. Am häufigsten sind neben der Lunge Leber und Milz befallen. Beim dritten Stadium kommt es infolge verminderter Abwehrkraft zum Wiederaufflammen alter, ruhender Tuberkuloseherde. Diese Reaktivierung der Lungen-T. geht meist von einem walnußgroßen, nach der früheren Aussaat zunächst inaktiven Herd unterhalb des Schlüsselbeins aus (Frühinfiltrat). Schmilzt das Lungengewebe erst ein und entsteht durch Entleerung eine Frühkaverne, so verläuft der Heilungsprozeß langwierig. Unter starkem Husten wird jetzt oft bröckeliger, manchmal auch blutiger Auswurf mit ansteckungsfähigen Erregern entleert (offene T.). In diesem Stadium kann es auch zu stärkeren Blutungen (Blutsturz) kommen. Es entsteht schließlich eine käsige Lungenentzündung, die mit hohem Fieber und schwerer Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes einhergeht (galoppierende Schwindsucht). Andere Tuberkulosearten: Mit Ausnahme der Lunge befällt die T. die Nieren, die Haut, die Gelenke (Gelenkerkrankungen ) und die Knochen. Die Nierentuberkulose (Nierenphthisis) befällt zuerst die Nierenrinde, dann das Nierenmark und die ableitenden Harnwege. Die Hauttuberkulose tritt v.a. auf als 1. Lupus vulgaris (Hautwolf): im Bereich des Gesichtes (bes. Ohren, Mund und Nase) entstehen bräunlichgelbe Hautflecken über kleinen, weichen Knötchen, die in Geschwülste übergehen und mit Narben abheilen können. - 2. Tuberculosis cutis colliquativa: es entstehen v.a. im Gesicht sowie im Halsbereich weiche, zunächst schmerzlose Knoten. Die darüberliegende Haut verfärbt sich allmählich braun-blaurot, die Knoten fluktuieren und brechen später unter Entleerung eines dünnflüssigen Eiters nach außen hin durch. - 3. Tuberculosis cutis verrucosa (Schwindwarzen): Auftreten bräunlichroter Knötchen, die mit warzenartigen Hornauflagerungen bedeckt sind. Bei der Knochentuberkulose ist das blutbildende Knochenmark (Wirbelkörper, Röhrenknochen) betroffen. Nach Ausbildung eines tuberkulösen Granulationsgewebes folgt meist eine Verkäsung mit eitriger Einschmelzung des Herdes mit Knochenzerstörung. - Die Genitaltuberkulose befällt als primäre Genital-T. beim Mann in erster Linie Vorsteherdrüse und Nebenhoden, von denen aus sie sich auf die Hoden, den samenabführenden Apparat und (je nach Ausgangspunkt) auf Nebenhoden oder Vorsteherdrüse ausbreitet. Der Hoden wird seltener, meist erst im späteren Stadium von den Nebenhoden aus beteiligt. Bei der Frau handelt es sich in rd. 80% der Fälle um eine T. der Eileiter, die auf die Eierstöcke und die Gebärmutter übergreifen kann und häufig auch das Bauchfell befällt. In beiden Fällen besteht die Gefahr der Sterilität. - Die Behandlung der T. erfolgt durch Chemotherapie und Antibiotika.