Warum ich diese Homepage mache ...

Mein Lebenspartner ist einer der 8 schwerkranken Menschen, die im Dezember 1999 mit Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft „Cannabis als Medizin“ (ACM) und Juristen der Uni Bremen Klage beim Bundesverfassungsgericht eingereicht haben, um zu erreichen, daß sie Cannabis aus medizinischen Gründen legal anwenden dürfen.
Er ist seit 14 Jahren an multipler Sklerose erkrankt, einer chronischen, bisher unheilbaren Erkrankung ,die durch Entzündungen im zentralen Nervensystem zu einem mehr oder weniger ausgeprägten, meist fortschreitenden Verlust der Kontrolle über den eigenen Körper führt. Da viele der typischen MS-Symptome, wie die Muskelspasmen, die Bewegungsstörungen und die Schmerzen durch Cannabis zwar nicht geheilt, aber stark gelindert werden, wendet mein Partner es schon seit langer Zeit an.
Nachdem wir jahrelang damit verbracht haben, einen großen Teil unseres monatlichen Einkommens zu Dealern zu tragen und uns mit ihnen auch noch ständig über Qualität und Preise auseinanderzusetzen, was aus der Position der Abhängigkeit heraus ziemlich entwürdigend ist, haben wir in der kurzen Zeit, in der man Cannabis-Samen hierzulande legal erwerben konnte, damit begonnen, selbst Heilhanf anzubauen. Als wir glaubten, endlich autark zu sein, kam im Sommer 1999 die Polizei und beschlagnahmte alles: die Ernte, die Samen und die Anbaulampe.
Alles war jetzt noch schlimmer als vorher. Sein Cannabis war weg, wir hatten auch kein Geld um welches zu kaufen, da wir aufgrund der autarken Situation unsere Lebensumstände inzwischen anders disponiert hatten und da mein Partner der Polizei unmißverständlich gesagt hatte, daß er auf Cannabis nicht verzichten werde, weil es ihn vor dem Rollstuhl bewahrt, mußten wir damit rechnen, daß sie jederzeit wieder bei ihm einlaufen. Also sahen wir nur noch den Weg in die Offensive. Wir nahmen Kontakt zur Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) auf, weil wir juristisch gegen diese Verletzung des Menschenrechts vorgehen wollten und es war wie maßgeschneidert, daß wir uns direkt in die Vorbereitungen zu Verfassungsklage einklinken konnten. Parallel dazu hat mein Partner mit Hilfe seines Neurologen und seiner MS-Klinik bei der Krankenkasse die Übernahme der Kosten für Dronabinol beantragt. Das ist ein Medikament aus dem therapeutisch wirksamsten Bestandteil der Cannabis-Pflanze, dem THC.
Die AOK hat durch sämtliche WiderspruchsInstanzen hindurch, die Übernahme der Kosten abgelehnt, obwohl wir alle uns zugänglichen Forschungsergebnisse, ihnen vorgelegt haben, die ausnahmslos bestätigen, daß THC die Symptome der MS lindert und ein paar wenige andere Kassen die Kosten für Dronabinol bei MS übernehmen. Sie zieht sich auf die Position zurück, daß die Wirkung durch großangelegte Studien bewiesen sein muß. Wir sind gegen diesen Entscheid vor das Sozialgericht und warten auf den Prozeß. Das Bundesverfassungsgericht hat das Anliegen zwar als berechtigt anerkannt, aber die Klage erstmal zurückgewiesen, weil andere Wege vorher gegangen werden müßten. Es hat den Kranken empfohlen:
1) Beim Bundesinstitut für Arzneimittel eine individuelle Erlaubnis für Einfuhr, Anbau und Verwendung für Cannabis zu beantragen.
2) Bei den Oberlandesgerichten einen Antrag auf vorbeugenden Rechtsschutz zu stellen
3) Falls wirklich einer der Kranken wegen der Anwendung von Cannabis verurteilt werden sollte, den Weg durch die Instanzen gehen.
Die Kläger/innen und andere kranke Menschen haben inzwischen die Anträge beim Bundesinstutut für Arzneimittel und Medizinprodukte gestellt. Dieses hat Anfang August die Anträge abgelehnt und im Gegenzug Dronabinol, zugelassen, das im Monat bis zu 2600,- DM kostet und, wie oben schon erwähnt, von den meisten Krankenkassen trotz ärztlichem Rezept nicht finanziert wird. Der Preis des Medikaments übersteigt um einiges, was einem Frühinvaliden überhaupt an Monatsrente zur Verfügung steht. 7 der 8 Kranken, die auch die Verfassungsklage gemacht haben, klagen jetzt vor dem Verwaltungsgericht gegen diese Entscheidung. Der Beschluß des Verfassungsgerichtes bedeutet, daß jetzt über Monate, wenn nicht Jahre, Prozeße im Vorfeld geführt werden müssen, bis das Ganze wieder vorm Verfassungsgericht landet. Zeit, die die Meisten, die Cannabis aus gesundheitlichen Gründen brauchen, nicht haben.
Ich und diejenigen, die aus eigener Betroffenheit mir bei der Erstellung dieser Homepage geholfen haben, wollen den Klägern helfen, daß eine der ältesten Heilpflanzen der Welt wieder allen zugänglich wird, die sie zur Linderung ihrer Leiden brauchen. Das Verbot von Cannabis hat dazu geführt, daß auch der therapeutische Nutzen dieser Pflanze wissenschaftlich noch kaum erforscht ist. Ein Fakt, den z.B. jetzt die Krankenkasse als Argument gegen Kranke einsetzt. Aber auch wenn es die geforderten „großangelegten wissenschaftlichen Studien" noch kaum gibt, gibt es doch schon seit langem den MASSENHAFTEN SELBSTVERSUCH derjenigen, die sich damit therapieren.
Wir würden hier gerne ein „Archiv der Erfahrung“ aufbauen, was aber nur mit eurer Hilfe geht. Wenn du Cannabis aus medizischen Gründen anwendest, kannst du deine Erfahrung auf dieser Homepage veröffentlichen. Je mehr Berichte hier zusammenkommen, desto breiter ist der Erfahrungsschatz auf den Kranke zugreifen können, die Cannabis verwenden oder die sich die Frage stellen, ob Cannabis vielleicht auch für sie als Heilmittel in Frage kommt. Darüber hinaus könnte die dokumentierte Erfahrung - so hoffe ich zumindest - auch Gewicht in der juristischen Auseinandersetzung bekommen und die wegen der Prohibition nicht vorhandenen Großversuche argumentativ ersetzen.
Du kannst deinen Bericht als e-mail schicken. Er wird dann von uns unter der entsprechenden Krankheit bei Erfahrungsberichten archiviert. Du kannst aber auch/oder zusätzlich den Fragebogen ausfüllen. Die Ergebnisse des Fragebogens stehen euch als Statistik auf der Homepage zur Verfügung. Wer die Verfassungsklage und die ganze juristische Auseinandersetzung da drumherum finanziell unterstützen will - und das wäre bitter nötig (das Sonderkonto ist gähnend leer) -, kann auf das Sonderkonto „Verfassungsklage“ der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin Kontonummer 422 329 005 bei der Kölner Bank (BLZ 371 600 87) spenden.
Die 8 Kläger/innen haben sich zwar vorgewagt, aber letztendlich geht es alle an, die Cannabis als Heilmittel brauchen.
ES GIBT NICHTS GUTES, AUSSER MAN TUT ES ;-)

An alle sonstigen Cannabis-Benutzer: Der Fragebogen ist nur für medizinische Anwender. Es geht nicht darum, irgendwelche Stimmen zu sammeln, sondern einen realen Überblick zu verschaffen, der schwerkranken Menschen bei ihrer Entscheidungsfindung hilft !

Gabriele Gebhardt